Wenn die Entscheidungen der Eltern schon vor der Geburt kritisiert werden: Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag einer Freundin von mir.

Schon bevor ich jemals darüber nachgedacht habe Mutter zu werden, habe ich immer wieder vom sogenannten ‚Momshaming‘ gehört. Früher habe ich das etwas belächelt oder teilweise sogar mitgemacht. Ich habe Mütter im Bus kritisch angeguckt, wenn sie ihre in meinen Augen zu kleinen Kinder am Handy haben spielen lassen. Ich habe genervt was über Erziehung gemurmelt, wenn in der Bahn ein Kind zu laut war oder über die Sitze getobt ist. Und das sind nur zwei von vielen Beispielen in denen ich dazu beigetragen habe die Last, die eh schon auf den Schultern von Müttern liegt, nur noch zu verstärken.

Mir war daher immer bewusst, dass wenn man erstmal ein Kind hat, sich im Alltag als Frau immer mal wieder mit den Vorurteilen, der Genervtheit und gut gemeinten Ratschlägen von Fremden, Familie und Freunden bezüglich seines Erziehungsstils rumschlagen muss. 

Dass das ganze jedoch anfängt, bevor das kleine Monster überhaupt auf der Welt ist, kam trotzdem irgendwie sehr überraschend für mich. Angefangen von kritischen Bemerkungen über meine Ernährung in der Schwangerschaft, über Verständnislosigkeit darüber, dass man das Kind im eigenen Bett oder Zimmer schlafen lassen wird, bis hin zu der Frage ob man stillen möchte oder nicht habe ich alles erlebt. Wenn ihr mehr über die einzelnen Geschichten hören wollt, kann ich das in einem jeweiligen Einzelbeitrag weiter ausführen.

Was mir jedoch besonders in Erinnerung geblieben ist war der Moment, in dem ich mich mit einer anderen werdenden Mutter die ich in einem Elternvorbereitungskurs kennen gelernt habe ausgetauscht habe. Wir haben ungefähr den gleichen Hintergrund, kommen aus Familien mit Migrationsgeschichte, haben beide Jura studiert, sind etwa gleich alt, etwa gleich lang verheiratet und erwarten unsere Kinder ungefähr zum gleichen Zeitpunkt. Sie plant nach der Geburt zwei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben, ich möchte gerne so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen. Beide bekamen wir von Familie, Freunden und Bekannten trotz dieser völlig unterschiedlichen Pläne für die ersten Monate und Jahre unserer Kinder Unverständnis und das Gefühl vermittelt, wir würden jetzt schon alles falsch machen. Sie wurde gefragt, ob sie wirklich ihren Beruf aufgeben wolle und was das für ein Vorbild für ihre Tochter sei, wozu sie dann studiert habe. 

Ich wurde gefragt, ob ich mein Kind so schnell „alleine“ lassen will und im gleichen Atemzug mein Partner hoch gelobt, dass er sich „echt“ so lange Elternzeit nimmt. Und der Satz, den wir beide fast wortwörtlich immer wieder zu hören bekamen: „Warte erstmal bis das Kind kommt, dann siehst du das alles anders.“ Dann wolle sie auf einmal wieder arbeiten weil ihr die Decke auf den Kopf fällt und ich wolle plötzlich zu Hause bleiben weil ich mir gar nicht vorstellen kann mein armes Baby „alleine“ zu lassen.

Der Satz „warte Mal bis das Kind kommt, dann siehst du alles anders“, ist einer den ich nicht mehr hören kann und der für mich viel mit Momshaming zu tun hat. Mir, als Frau, wird schon während der Schwangerschaft aberkannt zu wissen was das beste für mich, mein Kind und meine Familie ist. Noch bevor man die Geburt überstanden und sein Kind auf die Welt gebracht hat, kann man als Frau nicht mehr alles richtig machen. 

Mutter sein, schwanger sein, wird zur Gesellschaftsaufgabe. 

Ich bin dabei sicher, dass fast alle Kommentare und Ratschläge die ich bekommen habe durchaus gut gemeint waren. Aber sie schaden mehr, als das sie helfen. 

Hier also ein Ratschlag, an alle Ratschlaggeber: 

Haltet die Klappe. Oder, wie meine Mutter immer gesagt hat: wer nichts nettes zu sagen hat, sollte nichts sagen.

Glaubt ihr echt, dass die meisten Mütter, sowohl werdende als auch welche die bereits ein oder mehrere Kinder haben, nicht stets das tun werden was sie für das Beste für das Kind halten? Und ja, das beste für das Kind ist nicht unbedingt das, was ihr für das beste haltet. 

Ich plädiere nicht dafür weg zu schauen, wenn das Wohl eines Kindes tatsächlich gefährdet wird, wenn es psychisch oder physisch misshandelt wird. 

Aber ob und wie lange ich Elternzeit nehmen werde, welche Bücher ich meinem Kind vorlesen werde, ob ich während der Schwangerschaft arbeite oder nicht, wie ich gebären will, wie ich mein Wochenbett gestalten möchte, ob ich stillen will oder nicht und wie mein Partner und ich uns die Aufgaben während der Schwangerschaft und danach aufteilen gehört alles nicht dazu. 

Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Umstellungen, sowohl des Körpers als auch der Psyche. All jene die noch keine Mütter sind oder nie sein wollen (was im übrigen auch völlig in Ordnung ist), habt Verständnis dafür, seid rücksichtsvoll, überlegt lieber wie ihr Schwangere unterstützen könnte und wenn ihr euch nicht sicher seid, fragt nach. 

An alle Mütter da draußen: 

Denkt daran zurück wie ihr euch gefühlt habt. Wie überfordert ihr teilweise wart, wie sich Vorfreude mit Tränen gemischt haben, wie ihr versucht habt einen Dschungel aus Informationen zu sortieren und zu ordnen, um schon damals die best möglichen Entscheidungen für euer ungeborenes Kind zu treffen. Und das nächste Mal, wenn ihr seht, dass eine Schwangere oder Mutter etwas toll macht, sagt das! 

Sprecht Fremde auf der Straße an und sagt ihnen wie schön ihr Bauch ist. Lobt die Mutter im Bus, die nicht in Tränen ausbricht, obwohl ihr Kind seit fünf Minuten einen Tobsuchtsanfall hat. 

Frauen und Mütter: Baut euch gegenseitig auf, anstatt euch einzureißen.

Jasmin Benn-Maksimovic

Foto: Laura Alexandra Benn (unbezahlte Werbung)

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