Pumpkin

Ungefähr 15 Monate nach der Geburt meines ersten Kindes entschieden wir, dass wir es noch einmal versuchen wollen. Leider begann diese zweite Kinderwunschreise mit einem Abgang in der 6. oder 7. Schwangerschaftswoche – wahrscheinlich ein Windei.

Doch im ersten ganzen Zyklus nach dem Abgang wurde ich wieder schwanger. Gewollt, aber irgendwie auch ungeplant. Ich war gerade in der Probezeit gekündigt worden, wollte mich beruflich neu orientieren – doch Pumpkin wollte nicht warten. Also nahm ich die Situation an, so wie sie war.

Dieses Mal bangte ich nicht nur bis zur 12. Woche, sondern bis zur 25. Woche, in der mein erstes Kind tot zur Welt gekommen war. Erst als wir diese magische Grenze überschritten hatten, konnte ich ein wenig aufatmen. Ich dachte, nun kann uns nichts mehr stoppen. Alle Untersuchungen verliefen hervorragend, Pumpkin ging es großartig. Abgesehen davon, dass ich eine Schwangerschaftsdiabetes entwickelte und wir deshalb unbedingt in ein Level-1-Krankenhaus zur Entbindung wollten, gab es keine Komplikationen. Ich war erleichtert und voller Vorfreude. Endlich durfte ich daran glauben, die Mutter zu werden, die ich mir immer erträumt hatte – mit einem Kind an der Hand und nicht nur im Herzen.

Wir planten die Elternzeit sorgfältig, wollten sie 60/40 aufteilen, und alles fühlte sich so richtig an – der Zeitpunkt, unsere Beziehung, die finanziellen Ressourcen.

Am 11. Dezember 2024, zwei Tage vor meinem 30. Geburtstag, fuhren wir zu einer Routineuntersuchung. Die Stimmung war an diesem Morgen schlecht: Wir waren beide müde und fragten uns, warum wir einen Termin um 7:30 Uhr vereinbart hatten, dazu noch fast eine Stunde Fahrt von unserem neuen Wohnort entfernt. Daher war die Fahrt doch sehr still, aber vor der Praxis hatten wir uns nochmal lange im Arm gehalten und uns einfach an und selbst und unserer Beziehung zueinander erfreut.

In der Praxis wurde ich ans CTG angeschlossen, um Pumpkins Herztöne zu hören. Die letzten Male hatte es immer etwas länger gedauert, weil eine neue Mitarbeiterin zuständig war, die noch üben musste.

Doch dieses Mal war alles anders. Johann durfte nicht mit hinein, obwohl er in den letzten Wochen immer dabei gewesen war. Also wartete er draußen im Flur. Die Mitarbeiterin suchte nach dem Herzschlag, fand jedoch keinen. Ich lag weinend auf der Liege und sagte zu ihr: „Weißt du: Mein erstes Kind ist schon gestorben. Ich möchte, dass jemand den Herzschlag sucht, der das schon öfter gemacht hat.“ Eine Kollegin kam dazu, doch auch sie fand nur einen Herzschlag der zu langsam war für ein Baby, später stellte sich heraus, dass es meiner war.

Ich bestand sofort darauf, meine Gynäkologin zu sehen. Sie hatte gerade eine andere Patientin und wir mussten im Flur warten. Johann beruhigte mich die ganze Zeit: „Pumpkin geht es sicher gut, vielleicht funktioniert das Gerät einfach nicht.“ Doch ich hatte ein mieses Gefühl und konnte die schlimmsten Szenarien nicht aus meinem Kopf vertreiben.

Als wir endlich ins Behandlungszimmer durften, wollte die Gynäkologin zunächst Papierkram erledigen. Ich unterbrach sie: „Die beim CTG haben keinen Herzschlag gefunden. Ich möchte sofort wissen, wie es meinem Kind geht. Ich möchte jetzt einen Ultraschall.“

Ich legte mich auf die Liege, sie begann zu schallen. Sie drückte, suchte, ihr Gesicht blieb ausdruckslos. Dann drehte sie sich zu uns und sagte: „Da ist einfach kein Herzschlag mehr.“

Ich weinte sofort und schrie: „Ich schaff das alles nicht nochmal!“ Johann nahm mich in den Arm und weinte genauso. Die Gynäkologin riet uns, sofort ins Krankenhaus zu fahren, um eine zweite Meinung einzuholen. Vielleicht sei nur ihr Gerät nicht gut genug.

Wir fuhren los, 45 Minuten lang in unser Wunschkrankenhaus. Wie wir sicher dort ankamen, weiß ich bis heute nicht. Aber irgendwie sind wir gefahren. Auch dort bestätigte eine DEGUM-II-Ärztin, dass kein Herzschlag mehr vorhanden war.

So erlebte ich meinen 30. Geburtstag schwanger mit einem toten Kind in meinem Bauch, dass 24h später reglos in meinen Armen lag.

Ich hatte mir alles so anders vorgestellt: Ich hatte Pläne. Wir hatten Pläne: Ein eingerichtetes Kinderzimmer, eine Babyschale im Auto – und wieder einmal mussten wir leer und ohne Baby nach Hause zurückkehren.

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