Gendermarketing

Mädchen- und Jungenfarben – gibt es das überhaupt?

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Ja diese Unterscheidung gibt es! 

Aber nur in unserem Kopf! Naja und in der Industrie.

Einer der Gründe warum es dieses Phänomen in der Industrie gibt ist, das Firmen Anfang der 2000er Geld in Marketingforschung investiert haben um die Gewinne zu steigern. Dabei wurde in Studien herausgefunden, dass sie mehr Umsatz machen können, wenn es offizielles Spielzeug für Mädchen und Jungen gibt. 

Der Umsatz (inzwischen +33%) gibt den Firmen und dem “Gendermarketing” recht. Denn noch heute bekommen Kinder zwei verschiedene Dinge zum Spielen, zum Essen oder zum Duschen: z.B. Puzzle mit Baustellen für ein Jungen und ein „Mädchen-Überraschungsei“ für ein Mädchen. Selbst das Duschgel kann man in zwei verschiedenen Farben kaufen. 

Man hat fast keine Chance diesem ganzen aus dem Weg zu gehen, weil die Kinder (manchmal) nicht von den Eltern selbst, sondern von der Industrie und der Umgebung direkt darauf geschult werden, dass man als Junge einen Ritter cooler findet als eine Prinzessin.

Dass das alles nicht ein Thema vom Alter ist, möchte ich mit Beispielen aus meinem Alltag zeigen.

Originalgespräche aus meinem Alltag:

  1. Ein Junge zieht sich an seinem Sitzplatz gerade um, weil er einen Becher mit Wasser abbekommen hat. Kommt ein Vater sein Kind abholen und spricht den Jungen aus heiterem Himmel an: „Ich kann dich total verstehen. Du magst sicher kein rosa. Das ist ja voll die Mädchenfarbe. Du magst eher blau und grau und schwarz.“ Vater (ca. 40 Jahre alt) zu einem Jungen (5 Jahre alt). 

-> Dass der Junge kurz davor sich genau diesen Pullover (aus drei anderen) herausgesucht hatte, weil er schlicht und ergreifend „Bock“ auf den hatte, wusste dieser Vater natürlich nicht. 

2. Das Kind wird vom Papa abgeholt und sie wird von ihm angezogen. Das Kind sagt zum Papa. „Ich mag die Farbe vom Schal nicht!“ Daraufhin antwortet der Papa: „Die Farbe nennt sich altrosa.“ „Ich mag die Farbe trotzdem nicht!“, sagte das Kind mit sehr viel Mut. Der Papa bagatellisiert und antwortet:„Das kommt noch, du bist ja auch noch nicht so alt…“ Selber Vater (aber dieses Mal) zum eigenen Kind. Das Mädchen ist 4 Jahre alt. 

-> Das Kind hatte mir am selben Tag (und auch davor) gesagt, dass es den Schal nicht mag. Ich habe sie daraufhin ermutigt, es den Eltern selbst zu sagen. Weil oft wenn ich den Eltern es sage, schauen die Eltern ihre Kinder an (oft etwas strenger), sagen dann: „Laura hat erzählt du magst den Schal nicht, stimmt das?“. Die Kinder antworten dann meist einfach dass, was die Eltern hören möchten um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen. 

3. Ich war im Baumarkt und ging mit der Farbe (btw: Ich liebe sie!) zur Kasse. Sie Verkäuferin begann Smalltalk mit mir und sagte „Och, was bauen sie daraus denn schönes?“ Ich antwortete: „Ich baue einen Lernturm für meinen Neffen.“ „Das ist aber keine Jungenfarbe, die Sie da kaufen, finden Sie dieses Mint nicht sehr weiblich?“ 

-> Die Verkäuferin (ca. Mitte 50) wusste nicht, dass ich circa 10 Minuten vor dem Farbregal stand und eigentlich Bordeaux kaufen wollte, es aber nicht zum Grau gepasst hatte, was ich unbedingt wollte.

Aber Gendermarketing ist nicht nur auf Kinder spezialisiert: Vor Jahren habe ich eine Dokumentation gesehen die über Frauen- und Männerartikel aufgeklärt hat. Sie hat gezeigt, dass Frauen (oder Männer) bei manchen Artikeln mehr bezahlen. Daher habe mich mit meinem Mann mal ein bisschen umgeschaut auf der Internetseite eines großen deutschen Drogeriemarktes und da stellt sich heraus:

🪒 Rasieren

Für Männer ist es ein tägliches „Übel“. Es wird von der Gesellschaft wird schon immer erwartet, dass ein Mann sich rasiert (bzw. den Bart pflegt). Für Frauen sind rasierte Achseln erst in den letzten Jahrzehnten gesellschaftlich „wichtig“ geworden. 

Rasiergel für die Frau: Es riecht nach Beere und Vanille und soll für seidenglatte Rasur sorgen an den Beinen, unter der Achsel und in der Bikinizone. Kosten: 0,77€/100 ml

Rasiergel für den Mann: Es sorgt für sanfte und saubere Rasur. Es soll während der Rasur beruhigen und schützen und das Barthaar schnell weich werden lassen für die perfekte Rasur. Kosten: 0,68€/100ml

🧴Hautcreme

Für Frauen eine tägliche Aufgabe, denn von Frauen wird klar erwartet, dass sie gepflegt sind und die Haut lange glatt, weich und zart bleibt. Für Männer gab es lange keine Gesichtspflege (geschweige denn Anti-Aging Produkte). 

Tagescreme für den Mann: Es soll die Schutzbarriere der Haut stärken, es zieht schnell ein, fettet nicht und spendet sofort Feuchtigkeit. Kosten: 7,93€/100ml

Tagescreme für die Frau: Es soll die Haut vor äußeren Einflüssen schützen, schnell einziehen und den natürlichen Feuchtigkeitsgehalt der Haut für 24h ausgleichen. Kosten: 7,50€/100ml

Dieser Vergleich soll zeigen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Männer- und Frauenprodukten. Es geht bei diesem Vergleich lediglich um das Gendermarketing der einzelnen Unternehmen. Frauen und Männer werden unterschiedlich angesprochen und zahlen am Ende auch einen unterschiedlichen Preis. 

Eure Laura

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Wir haben bei diesem Vergleich keine Inhaltsstoffe verglichen. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2020.

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