Warum ich Jim Knopf im Kindergarten nicht mehr vorlesen werde

Auf der Suche nach einem passenden Buch zum Vorlesen habe ich alle Bücherregale durchstöbert, die es so gibt. Dann bin ich auf Jim Knopf gestoßen und dachte mir „Oh cool! Jim ist ja dunkelhäutig, da lernen die Kinder sicher etwas über Rassismus und dass jeder Mensch gleich ist.“ Ein weiterer Kommentar einer Kollegin die meinte „Das Buch ist mega, kommt super bei den Kindern an“ unterstützte meinen ersten Eindruck und ich dachte ich kann das Buch vorlesen ohne dass ich vorher reinlese…

So viel im Voraus: Ich werde nie wieder ein Buch vorlesen, ohne es vorher gelesen zu haben. 

Wer Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer nicht kennt, hier eine kurze Zusammenfassung:

Jim Knopf und Lukas sind beste Freunde und machen immer wieder Ausflüge mit Emma (der Lokomotive). Emma wird noch mit Kohlen betrieben und daher ist Lukas immer wieder von den Kohlen und dem Ruß ganz schwarz im Gesicht. Jim ist ein kleiner dunkelhäutiger Junge der auch mal Lokomotivführer werden will und gemeinsam erleben sie verschiedene Abenteuer.

Die erste Geschichte von den beiden, die ich den Kindern vorgelesen habe, war total süß: Es wurde erklärt, warum Jim Knopf eigentlich Jim Knopf heißt. Er heißt nämlich nur Jim Knopf, weil er immer wieder einen steilen Berg auf den Hosen herunterrutscht und dann immer wieder die Hose kaputt geht. Frau Waas, eine Freundin von Lukas und Jim, näht ihm einen Knopf an die Hose, damit sie nicht noch mal kaputt geht. Ab dem Moment wurde Jim zu Jim Knopf. 

Aber warum finde ich die Geschichten jetzt nicht mehr zeitgemäß?

Auslöser war die Geschichte „Wie Jim Knopf nach Lummerland kam“. Denn ob ihr es glaubt oder nicht, er wurde per Paket verschickt. Das Paket hatte Luftlöcher, damit Jim auch Luft bekam. 

Ich bin der Meinung, dass der Autor sicher versucht hat, das Thema Adoption so aufzugreifen, aber das ist, meiner Meinung nach, leider mehr als nur Misslungen. 

Die Geschichten sind zum Teil sechzig Jahre alt, aber auch damals war sicher schon klar, dass Babys nicht per Paket verschickt werden, egal ob sie weiß sind oder schwarz. 

Außerdem ist der Berufswunsch, bzw. warum er diesen Wunsch hegt, mehr als bedauerlich: Jim Knopf möchte nämlich Lokomotivführer werden „weil man auf seiner Haut den Ruß eh nicht sieht“. 

Übertreibe ich, bin ich zu empfindlich? Keine Ahnung, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. 

Deine Laura

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