Hilfe! Mein Kind lügt mich an!

Warum nicht jedes Kind lügt, lügen hilfreich für soziale Interaktionen ist und lügen erst gelernt werden muss…

Heute geht es unter anderem um ein psychologisches Experiment, dass „Sally & Anne“ heißt. Dieses Experiment kann zeigen, ob man die Fähigkeit besitzt, sich in andere Personen hineinzuversetzen.  

Die Fähigkeit des Perspektivwechsels ist essenziell notwendig um z.B. Empathie (Mitgefühl) für eine andere Person zu empfinden. 

Außerdem ist der Perspektivwechsel [unter anderem] auch notwendig für folgende Fähigkeiten, die wir auch in diesem Artikel besprechen wollen:

⚠️Konfliktfähigkeit, Lügen, Problemlösefähigkeit, Teilen und für soziale Interaktionen / Beziehungsaufbau. ⚠️

LÖSUNG 1:

Sally sucht ihren Ball in der weißen Kiste

⤵️

Die Person denkt, Sally hätte das gesehen, was wir gesehen haben. 

Das ist aber „falsch“. Denn Sally ist etwas trinken gegangen und kann gar nicht das wissen, was wir gesehen haben. 

Die Person muss also zuerst verstehen, dass nur weil es selbst etwas weiß, es nicht bedeutet, dass alle anderen das auch wissen.

➡️ Perspektivwechsel noch nicht möglich. ⬅️

LÖSUNG 2: 

Sally sucht ihren Ball in der roten Kiste. 

⤵️

Die Person kann sich in Sally hineinversetzen und weiß, dass Sally nur das wissen kann, was passiert ist, während sie noch da war. 

Sie kann nicht wissen, was Anne gemacht hat,

Das ist richtig. Denn Sally war etwas trinken  und kann gar nicht das wissen, was wir gesehen haben.

➡️ Perspektivwechsel schon möglich ⬅️

⁉️ ÜBRIGENS:

Den Test bestehen Personen meist erst ab vier oder fünf Jahren. 

Daher: Testet es gerne mit euren Kindern aus und seid gespannt was euer Kind antwortet, ich bin mir sicher, egal welche Antwort sie geben ihr werdet überrascht sein. ❤️


In den letzten Absätzen habt ihr erfahren, was es mit der Entwicklung von Empathie auf sich hat und das dein Kind dafür unbedingt die Perspektive wechseln können muss und wie man das selbst herausfinden kann. 

Beim Lügen (siehe oben) brauchen die Kinder genau dieselbe Voraussetzung. 

Aber erst nochmal zurück zum Anfang: 

➡️ Kinder kommen nicht als Lügner zur Welt. ⬅️

Wir alle machen sie am Ende zu den Lügnern, die sie irgendwann sein werden, in dem wir jeden Tag mehrmals lügen.

Zwar sind es meistens nur Notlügen die man in der Fachsprache auch „prosoziale Lüge“  nennt. Dazu zählen Lügen aus Höflichkeit z.B.: dass man sich auch für ungeliebte Geschenke überschwänglich bedankt, der Freundin sagt, dass sie schön aussieht in der neuen Hose oder dass man bei der Ankunft bei Oma und Opa die Verspätung mit einem Problem begründet, was gar nicht vorhanden war. 

➡️ Lügen muss gelernt werden ⬅️

Kinder die zwei oder drei Jahre alt sind haben eine einzige Realität (und zwar im Normalfall nur ihre eigene). Sie können sich einfach noch nicht vorstellen, dass andere Menschen, anderes wissen oder andere Sachen denken, als sie selbst (Beispiel: Sally & Anne Test). 

❗️Diese Theory of Mind (ToM) befähigt die Kinder dazu, ab diesem Moment auch bewusst zu schummeln. 

In den letzten Sätzen, habt ihr mitbekommen, wie Lügen kognitiv funktioniert. Aber jetzt geht es eher um die Gesellschaft und wie wir im Alltag mit Lügen unserer Kinder besser umgehen können. 

➡️ Die Gesellschaft ⬅️

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass manche Lügen gesellschaftlich anerkannt sind und andere wieder nicht? 

⁉️Auf der eine Seite gibt es von Erwachsenen oft Konsequenzen wenn Kinder lügen. 

Beispiel: „Das macht man aber nicht.“

⁉️ Aber auf der anderen Seite fordern wir sie teilweise auch aktiv dazu auf. 

Beispiel: „Sag an der Kinokasse bitte, dass du schon 6 Jahre alt bist, sonst können wir nicht ‚Ice Age‘ schauen gehen.“ 

Was ist also erlaubt und welche Lügen sind verboten? Das ist alles, aber nicht einfach für Kinder, dass herauszufinden. Am Ende ist das Lügen lernen wie alles andere ein Lernprozess der durch die Familie, durch die Kultur und die Personen im weiteren nahen Umfeld des Kindes beeinflusst werden. 

❗️Wichtig ❗️

Lügen ist ein ganz normaler Entwicklungsprozess und sollte nicht bestraft werden. 

❤️Besser ❤️

Darüber reden. Warum hat das Kind gelogen? Hat es Angst etwas falsch zu machen? Wollte es einfach „besser“ als wer anders sein? Findet die Motivation des Kindes heraus.

Denn wenn ihr das wisst, könnt ihr dem Kind klar sagen, warum Ehrlichkeit wirklich wichtig ist und „am Ende am längsten währt.“

Eure Laura

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