Die vier Bindungstypen

nach Mary Ainsworth

“Bindung ist ein unsichtbares, emotionales Band, das zwei Menschen über Raum und Zeit miteinander verbindet. “ – John Bowlby

Mary Ainsworth und John Bowlby haben in den 60er Jahren das Trennungsverhalten von Kindern untersucht. Die Untersuchungen gelten als bahnbrechend, da John Bowlby u.a. herausfand, dass zwischen Eltern und Kind ein unsichtbares Band besteht, dass u.a. dafür sorgt dass das Kind sich gesund und altersgemäß entwickeln kann. 

Dieses „unsichtbare Band“ nennen wir heute „Bindung“.

Bowlby ist der Meinung, dass für eine gute Betreuung unter drei Jahren die Eingewöhnung eine sehr wichtige Rolle spielt. Die Eingewöhnung sollte elternbegleitend stattfinden, damit die Kinder eine “sicheren Hafen” haben. 

Übrigens: Genau auf diese Bindungstheorie geht das “Berliner Modell” zurück. Dieses Modell wird am häufigsten zur Eingewöhnung in Kindertageseinrichtungen genutzt. Die Eingewöhnung findet elternbegleitend statt und das Kind und sein Verhalten entscheiden über die Dauer und die weitere Entwicklung der Eingewöhnung. 

Das Experiment bestand darin zu sehen, wie Kinder zwischen circa 1 und 1 1/2 Jahren reagieren, wenn die Bezugsperson einen Raum verlässt, in dem das Kind gerade spielt. Der Raum war präpariert mit einigen Spielsachen die zur Exploration aufrufen, außerdem war eine Testerin (die fremde Person) anwesend. Das gesamten Experiment wurde auf Video aufgezeichnet um es danach auswerten zu können. Aufgrund der gezeigten Reaktion, bei An- und Abwesenheit der Bezugsperson, leitete Mary Ainsworth die folgenden drei Bindungstypen ab: 

Bindungstyp A: unsicher – vermeidend (niedrige Wahrscheinlichkeit, circa 10-15% der Kinder)

Als die Bezugsperson das Zimmer verlässt spielt das Kind unbeirrt weiter. Es zeigt seine Gefühle nicht offen und wirkt sehr selbstständig (Pseudounabhängigkeit). Das Kind hat nicht die Zuversicht, dass die Bindungsperson wieder zurück kommt. Wenn die Bezugsperson wieder kommt wird diese weitestgehend ignoriert. Das Kind reguliert seinen Stress nicht über die Bezugsperson, sodass der Cortisolspiegel (Stresshormon) längere Zeit erhöht bleibt. Das Kind zeigt mehr Interesse an den Spielsachen und an der fremden Person, als an der Bezugsperson. 

Wie entsteht dieser Bindungstyp?

Die Eltern reagieren nicht zuverlässig auf die Signale des Kindes. Daraufhin sucht das Kind nach Lösungen aus der Situation. Daraufhin findet das Kind Schutz in der Beziehungsvermeidung. Diese Art von Bindung ist vor allem bei Kindern zu beobachten, die häufig zurückgewiesen werden.

Beispiel: Das Kind weint und wird mit seinem Problem alleine gelassen und ignoriert. 

Bindungstyp B: sicher gebunden (hohe Wahrscheinlichkeit, circa 70-75% der Kinder)

Die Kinder zeigten bei der Trennung durch weinen und schreien die Sehnsucht zur Bezugsperson. Sie zeigen ihre Gefühle offen und verleihen ihnen verbal und durch Mimik und Gestik Ausdruck. Sicher gebundene Kinder lassen sich von der fremden Person im Raum zum Teil beruhigen. Die Kinder vertrauen darauf, dass die Bindungsperson sie nicht alleine lässt. 

Bei der Rückkehr der Bezugsperson reagierten die Kinder mit Freude und suchen den Körperkontakt der Bezugsperson. Dabei beruhigen sie sich schnell wieder. Die Stressregulation in dieser Situation findet über die Bezugsperson statt. Ein sicher gebundenes Kind kann seine Umwelt erkunden und Explorationsverhalten (Erkundungsverhalten) zeigen. 

Wie entsteht dieser Bindungstyp?

Kinder bauen eine sichere Bindung zur Bezugsperson auf, wenn diese feinfühlig auf die Signale des Kindes reagieren. 

Beispiel: Das Kind weint und die Bezugsperson kümmert sich um die Belange des Kindes. Die Bezugsperson sorgt sich um das Kind und bietet ihm Sicherheit und Geborgenheit. 

Bindungstyp C: unsicher-ambivalent (niedrige Wahrscheinlichkeit, circa 10-15% der Kinder )

Wenn die Bezugsperson den Raum verlässt wirken die Kinder total verunsichert, sie weinen und gehen der Bezugsperson nach, teilweise reagieren sie mit Aggressionen und schlagen auf den Boden oder gegen die Tür. Es scheint so, als seien sie komplett überfordert mit der Trennungssituation. Das Kind nimmt keinen Kontakt mit der fremden Person auf, sie wirkt bedrohlich. Wenn die Bezugsperson wieder kommt, klammert das Kind sich an sie und lässt sich aber trotzdem nicht beruhigen. Der Cortisolspiegel bleibt, auch bei Anwesenheit der Bezugsperson, weiterhin erhöht. Die Kinder können, durch das Verhalten der Bezugsperson solche Situationen nicht mehr einschätzen und beginnen sich an die Bezugspersonen zu klammern, dabei sind sie jedoch ängstlich, passiv und total verunsichert. Das Bindungssystem von diesen Kindern ist im Dauereinsatz, daher kann auch keine Exploration stattfinden, denn das Kind ist damit beschäftigt herauszufinden, wie die Stimmung der Bezugsperson ist, um sich richtig zu verhalten

Wie entsteht dieser Bindungstyp?

Das Kind weint und die Bezugsperson reagiert prompt auf die Bedürfnisse des Kindes und tröstet es. Am nächsten Tag weint das Kind erneut, dieses Mal wird das Kind ignoriert und erhält keinen Trost. Einen Tag später weint das Kind erneut und die Bezugsperson reagiert ablehnend gegenüber den Kind. Für das Kind sind die Situationen dadurch nicht einschätzbar und eine unsicher-ambivalente Bindung entsteht. 

Bei diesem Experiment gab es einige Kinder die in keines der drei Bindungsschemas passten, da sie sehr auffällig reagierten als die Bindungsperson der Raum verließ. Diese Kinder wurden dann meist Typ A oder Typ C zugeordnet. 

Nach Untersuchungen von vernachlässigten und misshandelten Kindern wurde noch ein vierter Bindungstyp hinzugefügt.

Bindungstyp D: unsicher- desorganisiert (sehr unwahrscheinlich, circa 5% der Kinder)

Wenn die Bezugsperson den Raum verlässt zeigen die Kinder außergewöhnliche Verhaltensweisen. Die gleichzeitige Angst vor der Bezugsperson und der Trennung sorgen dafür, dass die Kinder erstarren, sie wippen/schaukeln ihren Körper, sie drehen sich im Kreis. Sie sind dabei völlig emotionslos. Die Kinder befinden sich in eine extremen Abhängigkeit zu der Bezugsperson. Wenn die Bezugsperson den Raum wieder betritt, zeigen die Kinder eine Mischung aus Typ A und Typ C. Kinder müssen Bindung zu einer Person aufbauen, jedoch bauen diese Kinder in ihrer Kindheit keinerlei Bindungsverhalten auf und erarbeiten keine Strategien bei Trennungen von der Bezugsperson. 

Wie entsteht dieser Bindungstyp?

Bei diesem Bindungstyp geht man davon aus, dass die Kinder eine traumatische Erfahrung erlebten, die sie nicht verarbeiten konnten. Meistens ist es so, dass diese Kinder (sexuelle) Gewalt in ihrer Familie erfahren oder die Eltern selbst psychische Erkrankungen habe, wie z.B.. Die Bezugsperson ist somit „die Quelle der Angst“ aber auch die einzige Person die das Kind versorgt. Es besteht also ein Abhängigkeitsverhältnis.

Deine Laura

Das könnte dich interessieren