Der integrative Kindergarten

Ein integrativer Kindergarten gleicht prinzipiell sehr dem Kindergarten, wie ihn die meisten von uns kennen. Aber warum heißt es denn dann integrativ? Was ist anders? 

Der größte Unterschied liegt wahrscheinlich darin, dass in einem integrativen Kindergarten sowohl behinderte als auch Kinder ohne Behinderung gemeinsam in einer Gruppe betreut werden. 

Damit alle Kinder gleichwertige betreut werden können ist der Anteil an normal entwickelten Kindern höher als der von behinderten Kindern.

Meist sind in einer Gruppe von insgesamt 20 Kindern drei oder vier mit erhöhtem Förderbedarf dabei. Wenn ein sehr hoher Förderbedarf besteht, werden die Kindergruppen zum Teil nicht ganz besetzt und es werden Freiplätze einkalkuliert. Das bedeutet, dass ein behindertes Kind z.B. den Platz für zwei Kinder belegt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Qualität der Betreuung und damit die anderen Kinder nicht benachteiligt werden. 

Wie in jedem Kindergarten gibt es auch in integrativen Einrichtungen einen Tagesablauf. Jedoch wird in integrativen Kindergärten besonders auf die Einhaltung dessen geachtet, da es den Kinder mit hohem Förderbedarf sehr viel Sicherheit vermittelt. 

Die strikte Einhaltung des Tagesablaufs klingt im ersten Moment vielleicht wie das Gegenteil von dem, was man Kindern heute vermitteln möchte, aber am Ende gilt: Nur wer sich sicher in seiner Umgebung fühlt und vertrauen hat, kann auch frei Lernen und sich weiterentwickeln. 

Vorteile:

  • es gibt keinen Leistungsdruck 
  • Erleben einer Gemeinschaft die keine Unterschiede kennt: keine Stigmatisierung von Nationalität, Geschlecht oder Behinderung
  • das Kind entscheidet selbst was es lernt und wie schnell es das lernt
  • Erzieher sind Begleiter und Beobachter im Alltag
  • Meistens gibt es einen höheren Personalschlüssel als in anderen Kindergärten 
  • es wird individuell auf die einzelnen Gegebenheiten der Kinder geachtet, ganz nach dem Motto „Teilhaben statt Ausgrenzen“
  • Gegenseitige Wertschätzung und Toleranz wird täglich gefördert. Dadurch wird das Hauptaugenmerk auf die Entwicklung des Sozialverhalten gelegt. 

Nachteile: 

  • oft fallen höhere Gebühren an, da die meisten integrativen Kindergärten von privaten Trägern geführt werden
  • Kinder mit Mehrfachbehinderung werden oft gar nicht erst aufgenommen. 
  • manchmal sind die Räumlichkeiten (je nach Behinderung) nicht perfekt eingerichtet.
  • nur wenige Plätze in den Gruppen sind Integrationsplätze, dadurch haben Kinder mit Behinderung sehr lange Wartezeiten auf einen Platz. 

Ich kann dir nur empfehlen, dass wenn du dich für einen integrativen Kindergarten interessierst, du das Konzept in aller Ruhe mal ansiehst. Denn nur wenn man sich selbst einen Eindruck über die Gegebenheiten gemacht hat, kann man auch urteilen.

Das integrative Konzept führt auf jedenfall dazu, dass das Kind offener und toleranter gegenüber anderen Menschen ist. 

Deine Laura

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