Der erste Besuch bei meinen Eltern

Naja, wenn ich ganz direkt zugeben muss, würde ich sagen, dass der Besuch bei meinen Eltern alles andere als geplant war. Eigentlich war der Plan, dass Johann mich zu Hause abholt und ich das erste Mal bei ihm übernachten wollte. Naja. Ihr ahnt es wahrscheinlich schon… 

Ein Satz mit X, das war wohl nix. 

Wie ihr im ersten Beitrag lesen konntet, haben Johann und ich uns im Winter kennengelernt, kurz vor Weihnachten. Wir beide verbrachten Weihnachten getrennt, zumindest zum Teil: Ich beschloss Heiligabend und den ersten Weihnachtsfeiertag mit meiner Familie zu verbringen und am zweiten Weihnachtsfeiertag etwas mit Johann zu machen. Gemacht getan, Johann holte mich also um 17:30 Uhr zu Hause ab. Da ich nicht scharf darauf war, ihn innerhalb der ersten Woche schon meiner Familie vorzustellen (weil immerhin dachte ich ja er ist ein Idiot, wie alle anderen Männer), machten wir aus, er soll mir eine Nachricht schreiben, wenn er vor der Haustür ist. Er schrieb mir, ich stand auf verabschiedete mich von meinen Eltern und dem Besuch der bereits schon da war. Ich ging die Treppe runter und stieg in sein Auto.

Ach komm schon. Hast du echt gedacht, dass das so ablief?

Natürlich nicht, sonst wäre es ja langweilig… 

Also gehen wir nochmal zurück zu dem Teil, dass mir Johann die Nachricht schrieb. Ich stand auf, verabschiedete mich von meinen Eltern und dem Besuch und wollte die Treppe runter gehen, da sagt mein Papa: „Will sich der Herr denn nicht vorstellen?“ 

Sein Blick verrat mir, dass das keine Frage, sondern eine Aufforderung war. Also ging ich die Treppe runter und sagte zu Johann „Hi Schatz, meine Eltern würden dich gerne kurz kennenlernen.“

Er nickte und man sah ihm seine Aufregung (und mir auch meine) direkt im Gesicht an. Immerhin saßen da nicht nur meine Eltern, sondern auch meine Patentante mit Mann und ihren Kindern. Es war also im Prinzip ein Familientreffen und alle lernten meinen neuen Freund kennen, den ich selbst gerade einmal eine Woche kannte. 

Oh Gott war das peinlich sag ich euch! Mein Herz schlug bis zum Hals und ich sagte dann: „Das ist Johann, mein Freund, wir gehen dann jetzt.“

Ich drehte mich schon um da hörte ich meinen Vater: „Ehm, Johann willst du uns nichts über dich erzählen?“ Ich kannte ihn doch selbst nur ein wenig und wusste nicht mal ob es etwas für lange Zeit sein würde… aber gut. Dann wurde Johann ausgefragt: „Was arbeitest du?“, „Wo wohnst du?“, „Wie alt bist du?“, bis dahin alles noch gut doch dann kam die Frage:

„Woher kommst du?“

„Ich komme aus Crailsheim“, sagte Johann und dem Besuch meiner Eltern sah man die Gesichtsentgleisung an und er sagte: „Jaja, das ist mir gerade recht, ihr aus Crailsheim denkt schon immer, dass ihr Schwäbisch Haller seid, nur weil ihr unser Kennzeichen benutzen dürft! Aber merk dir eins, Schwäbisch Hall wird immer besser sein als Crailsheim!“ 

(Es besteht schon seit sehr langer Zeit eine „Hassliebe“ zwischen den beiden Städten… dass wusste ich bis dahin nur noch nicht.)

Ich, 20 Jahre alt, stelle meinen Eltern das erste Mal einen Mann vor und er wird direkt von meinen Verwandten und ihrer besonderen Art begrüßt. Ich bin mir ganz sicher, das jeder von Euch sich in die Situation hineinversetzen kann…

Naja, wie es endete wissen wir, denn inzwischen sind wir glücklich verheiratet.

Deine Laura

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