Bilingualität

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, habe ich meine vierjährige Ausbildung in einer bilingualen privaten Kita gemacht und muss sagen ich würde es immer wieder so machen – es ist ein tolles Konzept, was viel mehr Menschen zur Verfügung stehen sollte. Wenn wir ehrlich sind – wer hat heutzutage Zugang zu bilingualen Kindereinrichtungen? Leider nur diejenigen, die es sich finanziell leisten können.

Im folgenden Beitrag möchte ich Euch heute meine persönliche Meinung sagen zu bilingualen Kitas, Englischunterricht in der Kita und die mehrsprachige Erziehung zu Hause. 

Bilinguale Kitas

Mehrsprachige Kindertagesstätten sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Inzwischen sind deutsch/englische Kindertagesstätten immer mehr zur Normalität geworden (vor allem in den Großstädten). Meistens steckt hinter diesen Kindereinrichtungen kein öffentlicher Träger, sondern ein privater Träger wie z.B. Betriebe die für Ihre Mitarbeiter diese hochwertige Form des Kindergarten anbieten wollen. Inzwischen gibt es natürlich nichts was es nicht gibt: Es gibt Kindergärten die die Sprachen deutsch und spanisch anbieten oder zum Teil auch gar kein deutsch mehr sprechen sondern zum Beispiel englisch und spanisch. 

Bilinguale Kitas arbeiten meist nach dem Immersionsprinzip. Das heißt, dass die Kinder ein „Sprachbad“ nehmen und richtige Muttersprachler („native Speaker“) die Kinder mitbetreuen und mit ihnen ihre eigene Sprache (z.B. Englisch) sprechen. Die Kinder hören jeden Tag mehrere Stunde diese Sprache und lernen sie ohne dass sie das Gefühl haben „etwas zu lernen“. Das ist meiner Meinung nach, die einzige Art und Weise Kindern eine andere Sprache beizubringen.

Englischunterricht im Kindergarten 

Immer öfter gibt es Angebote von Kindergärten oder von Elterninitiativen einen Englischunterricht während dem Kindergartenalltag anbieten. Dieses Angebot sehe ich prinzipiell positiv, doch man darf daran keine großen Erwartungen haben. Kinder brauchen mehr als einmal die Woche den Kontakt zu einer Sprache, um diese zuverlässig zu erlernen. 

Diese Angebote kosten meist zwischen 40-60€ im Monat, was auch nicht unbedingt ein Schnäppchen ist. Außerdem muss man sich bewusst sein, dass das Kind aufgefordert wird „bewusst zu lernen“ und das ist im Kindergartenalter eher kritisch. 

Mehrsprachigkeit zu Hause 

Wenn ihr euer Kind zu Hause mehrsprachig erziehen wollt, dann solltet ihr euch darüber bewusst sein, dass es ein steiniger Weg werden kann. Denn Kinder lernen eine Sprache nur mit sehr viel Durchhaltevermögen. 

Außerdem solltet ihr beachten, dass es für euer Kind am einfachsten sein wird, wenn ein Mensch eine Sprache spricht. Das bedeutet, dass wenn die Mama immer italienisch spricht und der Vater deutsch, dass es so bleiben sollte. Denn sonst kann das Kind komplett durcheinander kommen. 

Zudem ist es wichtig, dass ihr euch darüber bewusst werdet, dass Kinder eine Sprache so lernen wie sie ihnen vorgelebt wird. Das heißt wenn du einen grammatikalischen Fehler machst, weil du die Sprache doch nicht zu 100% beherrschst, wird ihn dein Kind genauso machen. Daher ist es wichtig, dass du mit deinem Kind nur deine Muttersprache oder noch besser deine Herzenssprache sprichst. Denn auch bei Menschen die eine zweite Sprache sprechen, kann es sein, dass ihre Herzenssprache deutsch ist während ihre Muttersprache englisch ist. 

Eure Herzenssprache erfahrt ihr, wenn ihr euch an eure Träume erinnert und schaut, welche Sprachen die Personen mit euch sprechen. Sprechen sie türkisch, italienisch oder deutsch mit dir? 

Außerdem will ich Euch eine große Angst nehmen: Viele Eltern mit Migrationshintergrund haben davor Angst, dass ihr Kind dann kein Deutsch lernt. Aber seid euch sicher: Euer Kind lebt in Deutschland. Es hört überall deutsch, auf der Straße, beim Einkaufen oder wenn ihr Freunde trefft die nur deutsch können. Spätestens im Kindergarten, muss das Kind sein Wissen anwenden.

Übrigens: Nur durch meine lange Erfahrung im Bereich der Mehrsprachigkeit, wertschätze ich die Bilingualität so, wie man sie wertschätzen sollte. Sprache ist ein Geschenk und dabei ist es absolut egal welche. Ich bin der Meinung, dass wenn Eltern eine andere Muttersprache haben als z.B. deutsch, sie diese ihren Kindern beibringen sollten. 

Mein Mann Johann kommt ursprünglich aus einer Ungarisch/Ukrainischen Familie. Beide Sprachen hat er als Kind leider nicht gelernt und er versteht sie eigentlich gar nicht. Ich persönlich finde es sehr schade, da ich meinen Kindern gerne mal dieses Geschenk der Mehrsprachigkeit mitgegeben hätte. 

Vergesst bitte nie: Kinder lernen Sprachen nie wieder so einfach wie in den ersten Lebensjahren. 

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